R2 Extract: Der komplette Leitfaden
Teil 1: Das Gerät
Was die einzelnen Teile sind, wie du das Gerät kalibrierst und wie du einen Messwert bekommst, auf den du dich verlassen kannst.
Das ist im Karton
R2 Extract × 1
Kaffeelöffel × 1
Schutzbeutel × 1
Ladekabel × 1
Mikrofasertuch × 1
Aufbau des Geräts
R2 Extract misst, wie viel Kaffee in einer Flüssigkeit gelöst ist: Licht durchläuft die Probe, und das Gerät liest ab, wie stark es gebrochen wird. Hier siehst du, was jedes beschriftete Teil ist und wozu es da ist.

Probenschale: die flache Mulde oben, an ihrem Boden sitzt das Prisma. Jede Messung findet hier statt, deshalb muss diese Fläche sauber und trocken bleiben.
Brechungsindex: der Rohwert, also wie stark sich das Licht beim Durchgang durch die Flüssigkeit krümmt. Er steht oben links im Display. Alles andere im Display leitet sich aus dieser einen Zahl ab.
Konzentration: die große Zahl, angegeben in TDS % (gelöste Feststoffe gesamt). Sie ist der Brechungsindex, umgerechnet in eine Stärke, mit der du tatsächlich arbeiten kannst.
Temperatur: die Temperatur der Probe, die das Gerät gerade misst. Sie fließt in die Umrechnung ein, denn der Brechungsindex ändert sich mit der Temperatur.
Status: die Symbolzeile. Ein Tropfen zeigt an, dass die Kalibrierung fällig ist, dazu kommen Anzeigen für Verbindung und Akku.
Taste: das einzige Bedienelement unter dem Display. Sie schaltet das Gerät ein, löst eine Messung aus und startet die Kalibrierung.
Ladeanschluss: USB-C an der Unterseite. Die Eingangsdaten stehen auf der Rückseite.
So entsteht die Zahl. R2 Extract liest den Brechungsindex direkt ab, und der TDS-Wert im Display wird aus diesem Brechungsindex bei der aktuellen Temperatur berechnet. Die Rechnung gleicht die Temperatur aus, setzt dabei aber voraus, dass Flüssigkeit und Gerät dieselbe Temperatur haben. Heißer Kaffee auf einem kalten Gerät braucht länger, bis beide im Gleichgewicht sind. Das macht dem Algorithmus die Arbeit deutlich schwerer und das Ergebnis ungenauer. R2 Extract gleicht eine unsauber vorbereitete Probe zwar aus, bringt dabei aber Rauschen in den Wert, und das siehst du an der Genauigkeit.
Die Taste
| Geste | Was sie bewirkt |
|---|---|
| Einmal tippen | Schaltet das Gerät ein oder löst eine Messung aus, wenn es schon läuft. |
| Kurz tippen, dann halten | Startet die Kalibrierung. Stell dir einen Doppelklick vor, bei dem du den zweiten Druck hältst. Mach es in einem Zug, nicht als zwei getrennte Drücke. Lass los, sobald „Zeroing“ erscheint. |
| Doppelt tippen | Öffnet die Systeminformationen. |
| Halten | Schaltet das Gerät aus. |
Sauber halten
Alles, was die Probe berührt, muss sauber und trocken sein. Ein Ölfilm (Espresso-Crema ist dafür am schlimmsten) oder Kaffeereste von der letzten Messung verschieben den Wert. Nimm den Löffel aus dem Karton, halte ihn sauber und bring die Schale nach jeder Messung wieder in den Ausgangszustand.

Spül das Glas am Boden der Probenschale mit sauberem Wasser ab.

Wisch die Schale vor der nächsten Probe mit einem weichen Tuch oder Taschentuch vollständig trocken.
Kalibrierung
Bei der Kalibrierung wird das Gerät an einer Referenzflüssigkeit auf null gesetzt, damit es weiß, wie „kein Kaffee“ aussieht. Mach das zu Beginn einer Sitzung. Für die Referenz hast du zwei Möglichkeiten, die Genauigkeit gegen Aufwand abwägen.
Brühwasser: gib dasselbe Wasser auf, mit dem du gebrüht hast. Die gelösten Feststoffe deines Wassers werden bei der Kalibrierung auf null gesetzt, und der Wert danach zeigt direkt, was allein der Kaffee beigesteuert hat.
Destilliertes Wasser: Destilliertes Wasser ist ein echter Nullpunkt, die Umrechnung vom Brechungsindex in TDS wird dadurch so genau wie möglich. Willst du später die Extraktion berechnen, bringt dein Brühwasser seine eigenen Mineralien mit. Dann musst du den TDS-Wert dieses Wassers einzeln messen und von deinem Kaffeewert abziehen. Lässt du diesen Schritt weg, schreibst du dem Kaffee gelöste Feststoffe gut, die in Wahrheit aus dem Wasser stammen.
Der Brechungsindex ändert sich mit der Temperatur und mit der Art des gelösten Feststoffs. Deshalb ist keine Umrechnung in TDS völlig sauber, und in der Zahl steckt immer ein wenig Rauschen. Sorgfältige Kalibrierung, angeglichene Temperaturen und ein abgezogener Wasserwert verkleinern es. Wie weit du dabei gehst, hängt davon ab, wie genau du es brauchst. Mehr dazu in Teil 2.

Tipp einmal auf die Taste, um das Gerät einzuschalten.

Gib Brühwasser oder destilliertes Wasser mit dem Löffel auf das Prisma, bis es bedeckt ist. Die Menge ist nicht entscheidend, aber mehr Flüssigkeit mindert den Einfluss der Verdunstung.

Warte 5 Sekunden, bis sich die Temperaturen angeglichen haben. Drück dann kurz, drück erneut und halte die Taste, bis „Zeroing“ im Display erscheint. Lass los.

Zeigt das Display 0.00 %, gilt die Referenz für die Sitzung.

Leere die Schale und wisch sie vor deinem ersten Kaffee vollständig trocken.
Eine Probe messen
Der Brechungsindex reagiert extrem empfindlich, und am meisten arbeitet die Verdunstung gegen dich. Heißer Kaffee verdunstet auf dem Prisma, der Rest wird konzentrierter, und der Wert liegt über der Wahrheit. Denselben Tropfen immer wieder zu messen hat die gleiche Wirkung, nur in kleinen Schritten. Die folgenden Schritte sind darauf ausgelegt, das zu vermeiden.

Warte mit der Messung, bis der Kaffee fast Raumtemperatur hat. Tipp einmal auf die Taste, um das Gerät zu wecken.

Rühr den Kaffee gründlich um, gib ihn dann mit dem Löffel auf das Prisma und füll die Schale. Ein größeres Volumen verliert anteilig weniger durch Verdunstung, der Wert bleibt dadurch stabiler.

Lass den Kaffee 5–10 Sekunden auf dem Gerät stehen, damit Flüssigkeit und Prisma dieselbe Temperatur annehmen, und drück dann die Taste. Der Brechungsindex verschiebt sich mit der Temperatur, ein Angleichen verringert also das Rauschen.

Der TDS-Wert erscheint nach wenigen Sekunden. Für eine zweite Messung gibst du eine frische Probe auf, statt die zu messen, die schon auf dem Prisma liegt.
Noch ein paar Hinweise: Bei Espresso filterst du die Öle für die genauesten Werte mit einem Papierfilter heraus. Wenn es schnell gehen soll, kann es sich lohnen, auf diesen Schritt und damit auf etwas Genauigkeit zu verzichten. Bleib mit den Messungen im Betriebsbereich von 5–40 °C (41–104 °F) und lass zwischen zwei Messungen ein paar Sekunden vergehen.
Meldungen im Display
| Meldung | Bedeutung |
|---|---|
| Tropfen-Symbol (oben rechts) | Das Gerät muss kalibriert werden. |
| Zero Failed | Nullsetzen fehlgeschlagen: Schale nicht sauber, Wasser nicht auf Temperatur oder Prisma verschmutzt. Neu reinigen und erneut auf null setzen. |
| No Liquid | In der Schale wurde keine Probe erkannt. |
| Beyond Range | Die Konzentration liegt über 30 % TDS. |
| Test Error | Messung fehlgeschlagen. Neu reinigen und erneut messen. |
| Numerischer Fehlercode | Hardwarefehler. Wende dich an den DiFluid-Support. |
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Maße (L × B × H) | 88 × 36 × 16 mm |
| TDS-Bereich | 0–30 % |
| TDS-Präzision | ±0,02 % |
| TDS-Genauigkeit | ±0,03 % |
| TDS-Auflösung | 0,01 % |
| Brechungsindex-Bereich | 1,33299 – 1,38660 |
| Brechungsindex-Präzision | ±0,00004 |
| Brechungsindex-Auflösung | 0,00002 |
| Messdauer | ca. 4 Sekunden |
| Betriebstemperatur | 5–40 °C |
| Akku | 430 mAh Li-Ion, fest verbaut |
| Laden | USB-C, 5 V/0,3 A |
| Wasserschutz | IP67 |
Teil 2: R2 Extract in CoffeeOS
R2 Extract misst die Konzentration deines Kaffees, angegeben als Prozent gelöste Feststoffe (TDS %) im gesamten Getränk. CoffeeOS rechnet die Extraktion in Prozent für dich aus und trägt die Brühung ins Brew Control Chart ein. So siehst du, wo deine Brühung bei Säure, Bitterkeit und Körper landet.
Warum TDS messen
TDS ist die Stärke: wie viel gelöster Kaffee in der Tasse steckt. Für sich ist das nur eine Zahl. Zusammen mit Kaffeemenge, Wasser und Getränkemenge ergibt sich die Extraktion: der Anteil der Kaffeebohnen in Prozent, der sich tatsächlich im Wasser gelöst hat.
Stärke und Extraktion ergeben zusammen einen einzigen Punkt, der sich im Brew Control Chart eintragen lässt. Das Tool Brühsteuerung hilft dir, deine Brühungen zu steuern, und führt dich durch den sinnvollen Umgang mit dem Brew Control Chart. Das sensorische Brew Control Chart beruht auf der neuesten Forschung der UC Davis. Als grobe Orientierung gilt:
- Für mehr Säure peilst du einen höheren TDS-Wert und eine niedrigere Extraktion an.
- Für weniger Säure und mehr Bitterkeit peilst du einen höheren TDS-Wert und eine höhere Extraktion an.

Deshalb muss ein Messwert auch nicht laborperfekt sein, damit sich das Messen lohnt. Im Chart eingetragen, verrät dir selbst eine leicht verrauschte Zahl, in welche Richtung du gehen musst, ob beim Mahlgrad, beim Verhältnis oder bei der Temperatur, um die Tasse dorthin zu lenken, wo du sie haben willst.
TDS-Wert eingeben
Das Steuerelement für den Geräteimport sitzt direkt unter dem Ziffernblock. Tippst du auf dieses Symbol, wartet CoffeeOS auf Daten, die das Gerät sendet. Drück die Messtaste an R2 Extract, und der Wert landet direkt im Feld. Tipp außerhalb des Menüs, um zu bestätigen, und das Chart zeigt das Ergebnis.

Weg A: Brühung aufzeichnen, dann eintragen
Nimm diesen Weg, wenn du schon gebrüht hast und sehen willst, wo die Tasse gelandet ist. Brührekorder hält die Brühung fest, die Brühsteuerung trägt sie ein.
- Öffne Bohnenverwaltung: Geh auf den Reiter „Röstkaffee“ und wähl die Bohne aus oder leg sie an.
- Schalte Microbalance oder Microbalance Ti ein. CoffeeOS findet das Gerät auf dem Startbildschirm, oder du koppelst es über das Gerätecenter.
- Wähl im Brührekorder, ob du deinen Brühvorgang direkt aufzeichnest oder ein Rezept anlegst und ihm Schritt für Schritt folgst.
- Weise die Bohne im unteren Controller zu, damit die Sitzung mit ihr verknüpft wird.
- Tipp auf Start, brüh, tipp auf Stopp. Gewicht, Zeit und Durchfluss laufen live ein, und Blooming, Aufgüsse und Schwenken werden automatisch markiert.

- Tipp unten im Controller auf das Symbol der Brühsteuerung
und öffne damit die Brühsteuerung, um die Brühung dort einzutragen. Kaffeemenge, Wasser und Getränkemenge werden übernommen. Tipp auf das TDS-Feld und hol den Wert live von R2 Extract, oder gib ihn von Hand ein. Die Extraktion wird berechnet, und die Brühung erscheint im Chart, weiterhin mit der Bohne verknüpft. - Wisch zwischen dem sensorischen, dem aktualisierten klassischen und dem ursprünglichen Chart. Das sensorische Chart beruht auf den TDS-Bereichen von Filterkaffee, deshalb nutzt Espresso standardmäßig das klassische Brew Control Chart.

Optional: Wandle die Aufzeichnung in ein Rezept um, damit du künftig Schritt für Schritt geführt brühen kannst. Öffne dazu auf der Ergebnisseite der Brühung das obere Menü und wähl „In Rezept umwandeln“.
Weg B: Ziel setzen, dann einstellen
Nimm diesen Weg, wenn du die gewünschte Tasse kennst und von ihr aus rückwärts arbeitest, oder wenn du deine Brühung nicht aufzeichnen willst. Brühsteuerung legt das Ziel fest, R2 Extract zeigt dir, wie nah jeder Versuch herankommt.
- Öffne die Brühsteuerung und wisch zu einem Chart.
- Gib ein, was du weißt (Kaffeemenge, Wasser, Getränkemenge), und der Rest wird geschätzt.
- Tipp im Zielmodus (Handfilter) auf den genauen Punkt im Chart, den du treffen willst. Auf Grundlage eines KI-Modells, das mit Tausenden von Brühungen trainiert wurde, empfiehlt das System Variablen, die sich in ein Rezept umwandeln lassen, dem du im Brührekorder folgen kannst.

- Brüh, miss den TDS-Wert und gib ihn ein. Der eingetragene Punkt zeigt, wie nah du gekommen bist.
- Ändere eine Variable, etwa feiner mahlen, um die Extraktion zu erhöhen, und miss erneut, bis der Punkt dort sitzt, wo du ihn haben wolltest.
Wo deine Messwerte liegen
Verwaltest du deine Bohnen in der Bohnenverwaltung, kannst du Sitzungen aus dem Brührekorder und der Brühsteuerung mit der Bohne verknüpfen, indem du die Bohne der Sitzung zuweist.

Bean Insights sortiert jede verknüpfte Sitzung nach Tool ein. Dein aktuellster TDS-Wert liegt im Ordner der Brühsteuerung, deine Ergebnisse der Röstfarbanalyse unter „Röstfarbanalyse“, und so weiter.

Gespeicherte Rezepte liegen unter „Ausgewählte Rezepte“, einen Tipp entfernt vom nächsten Brühen. Alle diese Daten kannst du teilen: Tipp im oberen Menü eines beliebigen Tools auf „Teilen“.
